Aus verletztem Stolz schoss einst der Liebesgott Amor dem Apollon, Gott der Heilkunst, einen goldenen Pfeil, der Bergnymphe Daphne aber einen bleiernen Pfeil ins Herz. Derart getroffen entbrennt Apollon in rasender Liebe zu Daphne. Ihr jedoch ist durch Amors Schuss jedes Liebesbegehren fremd und so flieht sie vor Apollons Begierde. In einer praktisch ausweglosen Situation ist ihre Verwandlung in einen Lorbeerbaum die letzte Rettung vor dem liebestollen Apollon.
Das ist die Geschichte der unglücklichen Daphne in der griechischen Mythologie. Weil manche Vertreter der Seidelbastgewächse Blätter haben, die dem Lorbeer ähneln, wurde Daphne zur Namensgeberin dieser Pflanzengattung.
Als in Mitteleuropa bekanntesten Vertreter dieser Gattung finden wir den Echten Seidelbast (Daphne mezereum) vor allem in der Gesellschaft von Buchenwäldern, aber auch in Ziergärten. Da er in der Heilkunde eine gewisse Rolle spielt, steht auch in unserem Heilpflanzengarten im Seminarium SALVIA in Hirschaid ein Exemplar.
Oft schon im Februar, spätestens aber Anfang März zeigt der streng geschützte Echte Seidelbast seine unschuldig scheinenden zartrosa bis purpurfarbenen Blüten. Doch Vorsicht! Der Volksmund nennt ihn Kellerhals, was übersetzt heute soviel wie Quälhals bedeutet. Sein Genuss ist potentiell tödlich und führt unter anderem zu quälenden brennenden und würgenden Gefühlen im Hals, Gesichtsschwellungen, blutigen Durchfällen und Nierenschäden. Nur wenige Beeren können für Kinder tödlich sein.
Seine Hauptgiftstoffe sind Daphnetoxin und Mezerein. Deren heftig entzündliche Wirkung auf der Haut mit Blasenbildung und Nekrosen wurde im Mittelalter von Bettlern genutzt, um mehr Mitleid zu erheischen. In der Volksheilkunde wurde verdünnte Tinkturen bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Durch die Hautreizungen sollen Entzündungen aus der Tiefe über die Haut „abgeleitet“ werden. Ein schmerzhaftes und nicht ganz ungefährliches Verfahren! Der Einsatz als Brechmittel oder bei Durchfallerkrankungen ist ebenfalls belegt.
Die in Essig eingelegte Rinde diente früher als Zugpflaster und die mit Honig vermischten Blättern wurden auf Geschwüre aufgelegt. Die volkstümlichen Namen „Warzenkraut“ und „Zahnwehholz“, „Deutscher Pfeffer“ oder „Wilder spanischer Pfeffer“ deuten weitere Verwendungszwecke an.
Heute spielt der Seidelbast in der Phytotherapie wegen seiner Giftigkeit überhaupt keine Rolle mehr. Anders ist es in der Homöopathie. Hier gilt der Seidelbast als wichtiges Mittel bei brennenden und einschießenden Nervenschmerzen, wie sie etwa nach einer Gürtelrose oder bei einer Trigeminusneuralgie vorkommen, oder bei Hautausschlägen mit starkem Juckreiz.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, welche Pflanzen früher und heute als Heilpflanzen verwendet wurden, dann können Sie den Heilkräutergarten im Seminarium SALVIA in Hirschaid mit seinen inzwischen rund 170 verschiedenen Heilpflanzen in den Sommermonaten jeden ersten Montag im Monat von14 – 17 Uhr besichtigen. Das gilt allerdings nicht für Hexen! Der Volksglaube weiß, das der Seidelbast bei der Abwehr von Hexen wahre Wunder bewirkt.






















